Etti Ruhöfer (bei Feierabend)
Die Zahl meiner Jahre erinnert mich nur.
Ich spüre sie nicht.
Sie ist mit meinem Inneren nicht im Einklang.
Ich fühle Kraft -
Kraft und Kreativität
wie in keiner anderen Phase
meines Lebens.
Nach-Wende-Zeit
Die Worte haben sich geändert,
Sie stehen nur noch für sich.
Die Zeile zwischen den Zeilen
Wird nun für lange leer bleiben.
Die Sprache ist hohler geworden,
Aber nicht unverstellter, nicht nackt.
Weh dir, wenn du frei sprichst!
Die Gesellschaft ist prinzipiell verlogen,
Auch die Beziehungen der Geschlechter
Und das, was schwingt zwischen Menschen.
Hier und jetzt lebt jeder nur sich selbst.
Wer denkt schon noch der Zukunft aller?
Wichtig ist der eigene Himmel-Hinterhof.
Sogar die Partnerschaften regeln nur
Die Freiheiten für die Einzelnen…
Die Werte haben sich gewendet
Gerel Calow
Distanz
Zwischen dir und mir: Fremdheit,
Lachen, Hohn – unüberbrückbar.
Furcht vor dem Anderen
Sitzt tief innen.
Schau tapfer Unbekanntes an
Und ertrag es.
Fremd sind wir selbst uns und
Überall anderswo auf Erden.
Sogar dein Bruder nach Jahren
Sieht dich aus fremden Augen an.
Und wo willst du bleiben,
Falls er dir nach dem Leben trachtet?
Lass uns
Brückenbauer werden.
Fragen des Lebens (Sommer 2001)
Du bist geboren in dieses Leben.
Schau es an, was bedeutet es für dich?
Du lebst, aber hast du dein Dasein auch erkannt?
Siehst du den Sinn deines Lebens?
Dein Leben fragt dich, welchen Sinn du ihm gibst.
Leben ist schlicht Leben,
Schau es an, nimm es an.
Mein Sein, ich danke aus vollem Herzen,
Dass ich erkenne, was mir da gegeben ist.
Die Gabe des Lebens
Ist eine Gabe der Freude.
Ich tue, was ich tun muss
Und freue mich der Freude.
Dem Dankbaren ist jeder Tag ein Fest.
Mein Herz quillt über
Vom Danken an das Leben.
Ich genieße die Dankbarkeit
Und das Fest des Lebens in mir,
In dir und auf Mutter Erde überhaupt.
Alle Zeit, die kommt,
Sei täglich im Herzen der Dank
Für dies Sein und die Freiheit darin.
Die Fülle der Freude gibt sich
Zu erkennen als eine Gabe des Lebens,
Die auszukosten seine Kostbarkeit ist.
Tritt Kümmernis vor das Tor:
Lass sie nicht ein. -
Perspektive
Es öffnet sich das Tor,
auf dem dein Blick
schon lange ruht
und all dein Hoffen
Dahinter aber liegt
erneut die lange Straße.
Wieder und wieder
musst du sie begehen
Auf Wegen, endlos scheinend,
unerbittlich und wie ewig,
neuerlich kein Ziel in Sicht
als vages Glauben:
Hinter der nächsten Biegung
wird sich alles ändern.
Alle (C) bei Gerel Calow
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